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INTERVIEW: Florian Eckl – Sportjournalist Bayerischer Rundfunk, ARD und DAZN

Florian Eckl lebt den Traum der meisten Fußballfans: Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet als Sportjournalist beim Bayerischen Rundfunk, der ARD und DAZN. In unserem Interview verrät er uns, wer der erste mitspielende Torwart war, Spoiler: nicht Manuel Neuer. Außerdem gibt er uns einen Einblick in seinen Berufsalltag und äußert sich zum Thema Digitalisierung im Fußball.

TT  Dein Beruf ist es über Fußball und die Spielweise anderer zu sprechen. Wie sah deine eigene Fußballkarriere aus?

FE  Ich habe ganz klassisch als Kind  in meinem Dorfverein mit dem Fußballspielen angefangen. Zunächst standen da natürlich die Leidenschaft zum Sport und der Spaß mit Freunden im Vordergrund. Mit der Zeit wurde aber mehr daraus. Über die Kreisauswahl ging es damals zum nächst größeren Verein und ich habe in der C-, und B-Jugend jeweils in der höchsten Spielklasse gespielt. Zeitweilig habe ich sogar über einen Wechsel zu Unterhaching nachgedacht. Dieser wurde aber nie Wirklichkeit, da dies mit viel zu langen Autofahrten verbunden gewesen wäre. Meine für einen Torwart doch geringe Körpergröße habe ich stets mit guten  fußballerischen Fähigkeiten wettgemacht. Deshalb muss ich heute immer schmunzeln, wenn einer sagt, dass Manuel Neuer den mitspielenden Torwart erfunden hat. (lacht)

TT  Wie kamst du zum Sportjournalismus?

FE Als Kind und als Jugendlicher habe ich aus Spaß immer mit Freunden die eigenen Spiele und Aktionen wie im Radio kommentiert. Als ich gemerkt habe, dass es für mich als Spieler für nicht mehr als Landes- und Oberliga reicht und ich somit nicht vom Sport leben werde,  habe ich mich natürlich gefragt, was ich sonst mit Fußball machen kann. Da kam ich dann zum Sportjournalismus und habe als Praktikant bei der Zeitung begonnen. Über Umwege kam ich dann zum Bayerischen Rundfunk,  der Rest ist Geschichte.

 

TT   Laien meinen oft, der Job als Kommentator sei ziemlich einfach, wissen meist alles besser und meinen, es bräuchte keine große Qualifikation, um diesen Beruf auszuüben. Wie sieht die Wirklichkeit aus?

FE  Dieses Klischee kenne ich (schmunzelt). Die Wirklichkeit ist jedoch eine andere. Der Job als Kommentator ist tatsächlich mit einiger journalistischer Recherchearbeit verbunden. Für ein Spiel können das durchaus 8 Stunden und mehr sein. Vor allem, wenn es Pausen im Spielbetrieb gibt, wie eine Winter- und Länderspielpause, muss man sich die neusten Infos zusammen suchen. Ganz aus den Augen darf ich als Kommentator auch nicht den Entertainment-Faktor verlieren: Die Zuschauer sind halt nicht alle Taktik- und Statistikfreaks. Daher muss ich auch interessante und coole persönliche Geschichten über die Spieler herausfinden. Da muss man teilweise auch sehr tief auf Social Media-Kanälen graben um immer up to date zu sein.

 

In erster Linie wird eure App einige Dinge erleichtern. Es ist vor allem eine gute Sache, dass ihr den kleineren Vereinen dabei helft, gezielter zu trainieren. 

 

TT    Ich weiß, dass du als Journalist neutral bleiben musst,  aber gibt es Teams, die du lieber kommentierst als andere?

FE Ganz spontan kann ich dir sagen, welchen Verein ich nicht so gerne kommentiere: Atlético Madrid. Zugegeben, sie sind sehr erfolgreich in den letzten Jahren aber dieser Fußball macht mir einfach keinen Spaß. Eng verteidigen, manchmal sogar richtig schmutzige und viele kleine Fouls, bis Griezmann vorne mal was einfällt. Persönlich macht mir Sevilla diese Saison Spaß. Das ist richtiger Hurra Fußball nach vorne, ohne Rücksicht auf Verluste. Leider verlieren sie durch diese Einstellung aber oftmals auch Punkte.

TT    „Es ist wie beim dritten Date mit ‘ner neuen Freundin: Beide wissen, es wird jetzt passieren. Nur dass er den hier nicht reinhämmert.“ Mit diesem legendären Spruch hast du das so einseitige 8:2 von Barcelona gegen Huesca wieder richtig interessant gemacht. Wie kommt so ein Spruch zu Stande? Legst du dir vor einem Spiel solche Formulierungen zurecht?

FE Ich glaube, dass jeder eigene Floskeln im persönlichen Sprachgebrauch verwendet. Ich finde, dass die Wiederholung von Standardfloskeln wie „hat die Nase vorn“ einfach langweilig sind und so rede ich privat auch nicht. Man kann sich das so ähnlich wie Freestyle-Rap vorstellen: Man kriegt ein Stichwort und lässt dann seiner Kreativität freien Lauf. Man muss sich vor Augen halten, dass Barcelona in diesem Spiel acht Tore geschossen hat. Einige davon, immer aus demselben Muster heraus. Da kam mir spontan die Analogie zum dritten Date in den Sinn, um nicht jede Situation auf die gleiche Weise zu kommentieren.

TT    Kommen wir zur Digitalisierung im Fußball: Was hältst du von digitalen Hilfsmitteln im Sport?

FE Grundsätzlich finde ich alles, was den Fußball schneller, fairer und nachvollziehbarer macht, sehr gut. Nur muss die Umsetzung stimmen. Wenn ich sehe, wie der Videoassistent in La Liga eingesetzt wird,  frage ich mich doch manchmal, was da in Deutschland schiefläuft. Hin und wieder denke ich, dass eines Tages Jan Böhmermann aus der Kiste springt und sagt, dass das alles nur ein großer Spaß war… Aber jetzt mal Spaß bei Seite: Die jetzige Umsetzung des Videobeweises wird der Qualität der Liga und des Schiedsrichterwesens in Deutschland nicht gerecht.

TT Wenn wir schon bei digitalen Hilfsmitteln sind: Was hältst du von unserer Herangehensweise bei der Digitalisierung des Jugendfußballs?

FE  Ich finde euer Projekt sehr cool. In erster Linie, weil eure App einige Dinge erleichtern wird. Es ist vor allem eine gute Sache, weil ihr den kleinen Vereinen dabei helft, gezielter zu trainieren. Ich kann mir keine bessere Werbung für einen Verein oder Trainer vorstellen, als diese, dass er 2-3 Profis ausgebildet hat.