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Markus Kleber – Geschäftsführer von Die Ligen

Was DAZN und Sky für den Profifußball sind, das ist Die Ligen im Mittelbau der Fußballpyramide. Über 25.000 Spielminuten aus den Elite-Jugendligen, den Deutschen Regionalligen und den besten Frauenligen hat das Stuttgarter Unternehmen bereits gefilmt. Darüber hinaus, ist Die Ligen auch international aktiv und filmt unter anderem Amateurspiele in Spanien und Frankreich. In Zukunft, setzen die Stuttgarter vermehrt auf die Spielanalyse und sogar auf künstliche Intelligenz. Im Interview mit uns, erzählt uns der Geschäftsführer Markus Kleber, wie alles begann, welche Bedeutung die Video Analyse heute im Fußball hat und welche Rolle dabei Technologien, wie die künstliche Intelligenz spielen wird:

TT Bevor du Die Ligen gegründet hast, hast du bei einem großen Konzern als Ingenieur gearbeitet. So ein Beruf bietet ein gewisses Ansehen aber vor allem auch Sicherheit. Wieso tauscht man so etwas mit dem Abenteuer Unternehmertum und woher kommt deine Leidenschaft zum Thema Kamera & Video?

MK Ich habe mich schon als Schüler sehr für meine berufliche Zukunft interessiert. Ab der 9. Klasse habe ich alle Schulferien dafür genutzt, ein wenig zu jobben und berufliche Erfahrungen zu sammeln. Ich habe wirklich alles gemacht. Von einem Praktikum im Architekturbüro, bis hin zum Putzen der Klimaanlage eines Parkhauses. Eine große Ehrfurcht hatte ich aber immer vor dem Unternehmertum. Das liegt daran, dass ich aus einer Unternehmerfamilie komme. Mein Vater war zwar selbst Lehrer aber mein Opa und einige Onkel Unternehmer. Da waren Autohäuser, Fahrschulen und andere Dinge dabei. Mein Opa war selbständiger Mühleningenieur und hatte beruflich viel in der Schweiz zu tun. Mein Vater hat mir dann mit leuchtenden Augen erzählt, wie er als Kind mit auf Montage durfte. Dieses Leuchten hat mich einfach angesteckt. Als ich mich dann nach der Schule für eine Ausbildung entscheiden musste, wollte ich Kameramann werden. Leider waren meine Noten für die staatlichen Schulen zu schlecht und meine Eltern konnten sich wegen der hohen Gebühren die nötig waren, keine private leisten. So habe ich dann erstmal eine Ausbildung gemacht und wurde später Ingenieur. Doch der Unternehmer in mir war nur auf Standby. Bis ich dann den Entschluss fasste und gegründet habe. 

TT  Muss man ein wenig fußballverrückt sein, um so einen Beruf auszuüben?

MK  Meine zweite Leidenschaft ist der Fußball. Als Jugendlicher kannte ich so ziemlich jeden Spieler und jede Statistik auswendig. Dieses Wissen ist aber wenn du nicht gerade Journalist bist, nicht nutzbar. Ich bin vor 10 Jahren als Quereinsteiger in dieses Business gekommen und habe mir über Jahre das Wissen angeeignet, welches für mich entscheidend ist: Man muss verstehen, wie Fußball als Geschäft funktioniert, wie in den verschiedenen Ligen die Zahlungsbereitschaft aussieht und welche Bedürfnisse existieren. Als Ingenieur hatte ich viel mit Lean Production zu tun. Das war natürlich etwas, was mir bei die Ligen geholfen hat. 

TT Was war der ursprüngliche Plan? Wie hat dein Umfeld reagiert?

MK Der Ursprüngliche Plan war das Youtube des Amateurfußballs zu werden. Ich hatte natürlich das Glück, dass ich aus einer Unternehmerfamilie komme. Da war keiner überrascht als ich die Ligen gegründet habe. Im Gegenteil. Ich wurde immer unterstützt. Im Freundeskreis sah das aber anders aus. Da haben die meisten nur mit dem Kopf geschüttelt. 

Wir hören immer wieder, dass Themen wie Video- und Datenanalyse auch in immer jüngeren Bereichen gewünscht sind! Das ist der Bereich, indem neue, digitale Dienstleistungen mit dem Fokus auf Datenanalyse entstehen werden.

TT Was ist so wichtig an der Video Analyse

MK Der Fußball hat sich stark verändert und wir haben es mit einer neuen Generation von Akteuren zu tun. Das komplette Mindset ist anders. Diese Leute sehen Fußball nicht mehr so emotional oder entscheiden aus dem Bauch heraus. Sie verstehen Fußball als ein Strategiespiel. Taktik ist das A und O, genau so wie Informationen zu sammeln und auszuwerten. Der Wandel in Richtung Logik und Struktur ist enorm. Für diese neue Generation sind Daten und Videos dementsprechend essentiell. 

 

TT Talento Today produziert Daten und Videos in einem Bereich, wo es diese nicht gibt. Wird dieser Bereich immer wichtiger für Profivereine? Wie ist deine Erfahrung?

MK Definitiv. Wir hören immer wieder, dass Themen wie Video- und Datenanalyse auch in immer jüngeren Bereichen gewünscht sind. Das ist genau der Bereich, indem neue, digitale Dienstleistungen mit dem Fokus auf Datenanalyse entstehen müssen. 

TT

Was ist wichtiger? Die beste Software oder die beste Hardware zu entwickeln?

MK Zu diesem Thema habe ich eine klare Meinung. Hardware ist ein sich ständig wandelnder Markt, mit sehr vielen großen Playern die im Wettbewerb stehen und sehr innovativ sind. Diese einzuholen ist sehr schwierig. Deshalb teile ich beispielsweise den Standpunkt von Track160, dass es heutzutage um Software geht. Also ein Programm zu bauen, was die Kameras von großen Herstellern noch besser, beziehungsweise besser nutzbar für die Fußballwelt macht. Aber auch bei der Software gibt es Unterschiede. So gibt es beispielsweise nur einen überschaubaren Markt für Analysetools, bei denen der Trainer irgendetwas einzeichnen kann. Wir müssen den Leuten durch Software die Arbeit erleichtern und automatisierte Prozesse mit Hilfe der künstlichen Intelligenz einführen. Spieler Tracking ist da ein wichtiges Thema. 

TT Kann die künstliche Intelligenz den Scout ersetzen?

MK Eine künstliche Intelligenz kann dann einen Scout ersetzen, wenn Roboter den Laden übernehmen (lacht). Also im Grunde wenn 22 Roboter auf dem Platz stehen. Das ist dann aber kein Fußball mehr sondern Robotic Sports oder E-Gaming. Fußball als Sport ist zu kompliziert und besteht einfach aus zu vielen Parametern. Ein Wort kann das ganze Business verändern. Durch die Anzahl der Akteure wird dieser Effekt, der Unvorhersehbarkeit noch verstärkt. Wenn wir über dieses Thema schon sprechen: Eine Sportart wie Tennis sollte ja eher vorhersehbar sein, da es da nur 2 Akteuere gibt und das Publikum nicht den Einfluss nehmen kann wie beim Fußball. Aber wie wir sehen, werden wir auch in diesem Sport immer wieder überrascht. 

TT Wie offen ist die Fußballwelt für neue Dinge und Technologien

MK Im Großen und Ganzen muss ich sagen, ist die Fußballwelt sehr offen für die Technologien. Eben wie ich es oben erwähnt habe. Es ist eine neue Generation von Menschen am Werk. Aber Solidarität ist sehr wichtig. Wenn nicht alle an einem Strang ziehen, erschwert das unsere Arbeit enorm. Abschließend muss ich sagen, dass ich sehr zuversichtlich bin. Am Ende brauchen alle Videos und daher sind sie bereit auch ihre eigenen Spiele mit anderen Teams zu teilen.