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Meike Meßmer – Profi – Fußballerin des 1.FC Köln

Der Slogan des 1.FC Köln ist spürbar anders. In unserem Interview erzählt uns Meike Meßmer, Profi-Fußballerin des 1.FC Köln was dieser Slogan bedeutet und wie man ihn tagtäglich in der Stadt erleben kann. Sie nimmt uns mit, hinter die Kullissen des Frauenfußballs: Wie schafft man es in die Bundesliga ? Wie reagieren Jungs, wenn ein Mädchen richtig gut kicken kann? Das und weitere spannende Insights zum Thema Frauenfußball erfahrt ihr im folgenden Interview:

TT  Meike, wie hast du es in die 1. Bundesliga geschafft?

MM Ich würde sagen, dass dafür meine Familienkonstellation entscheidend war. Wir sind grundsätzlich eine sportverrückte Familie. Darüber hinaus habe ich gleich drei Brüder. Zwei ältere und einen Zwillingsbruder. Und man kennt das ja, dass die jüngeren Geschwister gerne den älteren nacheifern. So kam ich dann auch zum Fußball. Ich hatte das große Glück, lange in einer Jugendmannschaft als einziges Mädchen zu spielen. Das hat einfach den Vorteil, dass man mehr an seiner Schnelligkeit arbeitet und lernt sich durchzusetzen. Bis zur C-Jugend habe ich mit den Jungs gespielt und wechselte dann in den Frauenfußball. In der Nähe gab es einen ziemlich guten Verein, den Hegauer FV. Dort spielte ich in der Jugend Oberliga (damals die höchste Spielklasse) und wechselte dann in den aktiven Bereich in die Regionalliga, was bei uns die dritte Liga ist. Zum 1. FC Köln bin ich aber eher durch einen glücklichen Umstand gekommen: Nach dem Abi war für mich klar, dass ich Sport studieren möchte und ich wurde glücklicherweise an der Sporthochschule Köln zugelassen. Über einen Bekannten lernte ich eine Spielerin des FC kennen und absolvierte ein Probetraining. 

In meiner ersten Saison spielte ich in der zweiten Mannschaft, aber es war schon ein kleiner Kulturschock für mich. Alles war plötzlich sehr professionell, von der Ausrüstung bis hin zum Training. In dieser Saison ist der FC in die zweite Liga abgestiegen. Was für den Verein an sich ärgerlich war, kam mir in meiner persönlichen Entwicklung sehr entgegen. Als einige Spielerinnen den Verein verließen, bekam ich die Chance zu spielen, da ich in der zweiten Mannschaft mit einigen Tore überzeugen konnte. 

TT  Wie haben die Jungs reagiert als du in der C-Jugend gegen sie gespielt hast?

MM  Ich muss sagen, dass ich sehr großes Glück gehabt habe. Ich hatte eine tolle Mannschaft, die mich immer unterstützt und sich hinter mich gestellt hat. Dadurch, dass mein Zwillingsbruder in der selben Mannschaft spielte, fiel die Integration auch besonders leicht. Bei den Gegnern war das oft leider anders. Ich wurde teilweise schon heftig gefoult, wenn ich den ein oder anderen ein mal zu oft ausgedribbelt habe (lacht). Da sind aber meine Jungs immer eingeschritten und haben mich verteidigt. Klar, ich wollte nicht anders behandelt werden als die anderen Spieler. Trotzdem ist man froh, wenn man so unterstützt wird. Unabhängig davon habe ich nie besondere Ansprüche gestellt. Mein Trainer hat mir zum Beispiel die Schiri-Kabine zum Duschen angeboten, das wollte ich aber nie. Es war dann so, dass die Jungs mit Badehose und ich im Bikini duschte. Als die anderen ungläubig fragten „Warum nehmt ihr eure Badehose zum Fußball mit?“, hieß es dann immer „Meike duscht mit“. 

TT  Wie wichtig sind Idole? An wem orientierst du dich?

MM Eigentlich habe ich mich nie richtig an bestimmten Spielern orientiert. Ich spiele nach vorne, möchte Tore schießen und dribble gerne. Das ist irgendwo auch meine Fußballphilosophie. Großen Respekt habe ich natürlich vor Ronaldo und Messi. Die beiden bewundere ich nicht nur für ihr Talent, sondern auch den Fleiß, den sie täglich reinstecken. Bei unserer Nationalmannschaft gefällt mir Alexandra Popp. Sie macht einfach die besten Kopfbälle. Dzsenifer Marozsán hat eine überragende Technik. 

Eine Plattform wie Talento, gerade im Jugendbereich würde sehr vielen Mädels helfen. Nicht alle haben das Glück, jemanden aus dem Profibereich zu kennen. Vielen fehlt eine Plattform, auf der sie auf sich aufmerksam machen können.

TT  Ihr seid dieses Jahr in die erste Liga aufgestiegen. Was für ein Niveauunterschied erwartet euch?

MM Der Unterschied im Niveau ist brutal. Vor allem das Tempo ist ein ganz anderes. Auch geht es körperlich richtig zur Sache. In der zweiten Liga kann man den Ball meistens in Ruhe annehmen und ein bisschen nach vorne laufen. In der ersten Liga ist sofort eine Gegenspielerin an dir dran und setzt dich unter Druck. Da kannst du meistens nur den Ball klatschen lassen. Auch der Trainingsaufwand ist deutlich höher. Topvereine trainieren zwei mal am Tag an fünf Tagen der Woche. Müsste ich es in Zahlen packen, würde ich sagen, dass es in der 1. Liga doppelt so schwer ist. 

TT  Was nimmst du dir für die nächste Saison vor?

MM Die Erfahrung aus der letzten Erstliga Saison zeigt, dass wir hinten als Mannschaft komplett stabil stehen müssen. Wie man so schön sagt, die 0 muss stehen. Ist natürlich nicht meine Spielphilosophie, aber da ordne ich mich natürlich unter. Für mich heißt es dann, Wege zurück machen, defensiv arbeiten und die wenigen Chancen, die sich eventuell ergeben, nutzen. 

TT  Technologie im Frauenfußball: Was gibt es? Was braucht ihr?

MM Was die Technologie im Frauenfußball angeht, stehen wir noch am Anfang. In Liga 2 mussten wir die Spiele noch selber filmen. Darunter leidet natürlich auch die Qualität der Videos und die Nutzbarkeit für die Analyse. In der ersten Liga läuft das besser. Die Ligen filmt alle Spiele und so kriegen wir auch die Videos von gegnerischen Teams. Damit kann man sich dann viel besser auf ein Spiel vorbereiten. Eine Plattform wie Talento, gerade im Jugendbereich würde sehr vielen Mädels helfen. Nicht alle haben das Glück, jemanden aus dem Profibereich zu kennen. Vielen fehlt eine Plattform, auf der sie auf sich aufmerksam machen können. Das Scoutingnetz ist nicht so eng gespannt wie im Männerfußball. Deshalb bin ich mir sicher, dass viele talentierte Spielerinnen unentdeckt bleiben. 

TT Kann man Frauenfußball hauptberuflich ausüben?

MM Das wäre toll, aber die Realität sieht anders aus. Keine Spielerin aus dem aktuellen Kader spielt hauptberuflich Fußball. Das Thema ist auch sehr weit weg, jeder macht irgendwas nebenbei. Ich studiere beispielsweise. Aber es ist schon cool, dass man als Studentin keinen Minijob machen muss, sondern mit seiner Leidenschaft genug Geld verdient. Bei den besten Vereinen und im Ausland kann man genug verdienen, aber auch nicht genug um ein Leben lang davon zu leben. Deshalb ist es wichtig ein zweites Standbein zu haben. 

TT Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor?

MM Eigentlich mache ich keine besondere Vorbereitung. Ich gehe grundsätzlich am Abend früh ins Bett, um ausgeschlafen zu sein und achte auf meine Ernährung vor dem Spiel. Ich achte darauf, dass ich genug Kohlenhydrate zu mir nehme. Unmittelbar vor den Spielen machen wir auch eine Eigen- oder Gegneranalyse. Gerne schaue ich mir auch Bundesligaspiele am Samstagabend an. 

TT Was macht Köln und den FC so besonders?

MM Um das zu verstehen, muss man vor dem Spiel in die Kabine kommen. Es läuft da Karnelvalsmusik, die FC-Hymne und Lieder von Kölschen Bands. Alle kennen diese Lieder und singen zusammen. Jeder hier identifiziert sich mit der Stadt und dem Verein. Du wirst keinen finden, der in der Ecke mit Kopfhörern etwas anderes hört. Auch wenn man abends in Köln weggeht, herrscht eine familiäre Stimmung. Es ist ganz genau so wie der Slogan des Vereins sagt: „spürbar anders“. Auch in Kneipen und Bars läuft FC Musik, alle singen und umarmen sich. Ich bin definitiv stolz ein Teil dieser Familie zu sein. Das Highlight war der Doppelaufstieg dieses Jahr. Wir durften uns ins goldene Buch der Stadt eintragen wurden von den Fans im Rhein Energie Stadion beim letzten Spiel der Herrenmannschaft gefeiert. 

TT Momentan findet die Frauen WM statt. Was hat dich überrascht? (Zum Zeitpunkt des Interviews fand gerade das Halbfinale statt)

MM Die Medienpräsenz ist bei dieser WM besonders. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Werbungen gesehen zu haben. Es gibt alle Spiele live, mehrere Sender übertragen und es scheint so, als hätte jeder mitbekommen, dass die WM stattfindet. Auch der Social Media Auftritt unserer Mannschaft war sehr stark. Man konnte die Spielerrinnen sehr gut kennenlernen. Ich hoffe, dass es jetzt nach dem Ausscheiden unserer Mannschaft auch so bleibt. Es wäre schön, wenn der Hype nach der WM bleiben würde. Sportlich gesehen hat mich das frühe Ausscheiden überrascht. Ich war mir sicher, dass wir gegen Schweden weiterkommen. Aber es ist auch positiv und zeigt, dass die Mannschaft besser geworden sind. Heute gibt es einfach viel mehr gute Mannschaften als früher. 

TT Wer wird Weltmeister?

MM USA! Ganz klar. Die spielen den besten Fußball: Tempo, Zweikampfstark, individuell stark, aber auch als Team.